Gustav Mahringer - auf den Spuren von Kaisers Distanzreitern

 

Wie kommt Gustav Mahringer auf diese Idee?

Eigentlich gibt's vorher die Idee, oder noch besser, ein Buch , mehrere Bücher über lange Abenteuerritte, Vorträge über lange Reisen mit dem Pferd und dann erwacht die Sehnsucht. Die Sehnsucht auch einmal länger mit dem Pferd unterwegs zu sein.
Und dann, bei einem Wanderritt, über eine Woche. Von Kefermarkt im Mühlviertel an die Tschechische Grenze, nach Aigen - Bayern - über die Donau bis Kopfing und Sigharting. Von Quartier zu Quartier, kommt man zur Feststellung, dass für einen längeren Wanderritt nicht unbedingt mehr Gebäck notwendig ist. Sondern lediglich ein Rasttag um die Wäsche zu waschen. Auch die Organisation der Quartiere erweist sich nicht als all zu schwierig. Der Empfang für Wanderreiter ist immer herzlich, Gespräche bald im Gang, und die Verköstigung lässt nicht zu wünschen übrig.
So wächst der Entschluss eines längeren Ritts. Welche Zeitspanne ist nun als Familienvater und Berufstätiger möglich. Drei,vier, vielleicht fünf Wochen. Welche Strecke lässt sich da bewältigen, ohne die Pferde und sich zu überfordern, den Ritt zu genießen. Aus Erfahrung sind 30, 35 km pro Tag realistisch.

 

Der historische Distanzritt Wien-Berlin

Zufällig stößt man auf ein Buch vom Historischen Distanzritt Wien-Berlin, Berlin-Wien, 1892. Eine Strecke ca. 600 km Luftlinie, hin und retour reiten zu lang. Eine Strecke - sechshundert durch dreißig sind ca. 20 Tage. Knappe drei Wochen, mit einem Rasttag pro Woche, An- und Abreise, irgendwo um die vier Wochen.

Aufbruch in Berlin-Zossen

Am 26. April gings mit einem Doppelhänger nach Zossen am südlichen Rand von Berlin, das Quartier wurde von einer deutschen Wanderreiter-Vereinigung vermittelt. In Tagesetappen von 30 Kilometern ritten Mahringer und Wührer über Lausitz, Zittau, Kolin, Iglau und Znaim nach Retz. Von Retz holte man sie mit dem Pferdeanhänger zurück nach Scharnstein.

Erfahrung mit Pferden und Wanderreiten

Am 26.04. machten sich Gustav Mahringer und Max Wührer aus Mühldorf bei Scharnstein auf die Spuren der Marathonreiter. Mahringer sattelte den neunjährigen Rappschecken „Sam“, Wührer den achtjährigen Rappen „Simba“ – Geschwister aus einer Kreuzung von irischem Zigeunerpferd und argentinischem Gauchopferd, die die Vorzüge beider Rassen vereinen: Ausdauer und williges Wesen. Gestartet wurde in Berlin-Zossen, die Route wird frei gewählt. Rekorde wollten sie keine brechen: Drei Wochen nahmen sie sich Zeit – für einen Genussritt.

Die beiden sind im Sattel wie zuhause. Max Wührer hat Haflinger und Warmblutpferde gezüchtet und das Kutschenfahren rennmäßig betrieben, Gustav Mahringer, WOLF Planer und Designer, ist Mitglied eines Reitvereins. Sam und Simba stammen aus einer Bad Ischler Pferdezucht. 1,50 Meter sind sie groß, von robustem Körperbau. Ihr Zuhause ist die Koppel bei Wührers landwirtschaftlichem Anwesen. „Wir haben mit den beiden schon viele Wander- und Orientierungsritte gemacht, im Winter spannen wir sie vor den Schlitten oder setzen sie beim Skijöring ein“, so Gustav Mahringer.

Unterwegs waren sie mit ihren Pferden auf Feld- und Wanderwegen , fernab der Autobahn, vorbei an malerischen Orten und historischen Sehenswürdigkeiten. Sie fragten sich bei Reiterhöfen entlang der Route von Quartier zu Quartier weiter und für den Notfall hatten sie Schlafsack und Wasserflasche dabei.

Der Ritt war geglückt - Gustav und Max um eine Erfahrung reicher. Am 18. Mai kamen Ross und Reiter in Retz an. Danach ging es mit dem Pferdehänger wieder zurück nach Scharnstein.

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